Ein Teleskop zeigt auch mitten in der Stadt noch den Mond, die Planeten und die hellsten Doppelsterne, denn Lichtverschmutzung macht nur den Himmelshintergrund heller, nicht die Objekte selbst dunkler. Lichtschwache Deep-Sky-Ziele wie Galaxien und die meisten Nebel verschwinden dagegen fast vollständig im aufgehellten Himmel. Dagegen helfen ein dunklerer Standort, mehr Öffnung, ein Filter oder ein Smart-Teleskop mit Bildstapelung.
Was ist Lichtverschmutzung und die Bortle-Skala?
Lichtverschmutzung ist Streulicht von Straßenlaternen, Gebäuden, Werbeflächen und Fahrzeugen, das sich in der Atmosphäre verteilt und den Nachthimmel großflächig aufhellt. Je heller dieser Hintergrund, desto weniger Kontrast bleibt für lichtschwache Objekte übrig, und genau dieser Kontrast entscheidet, ob du einen Nebel noch erkennst oder nicht. Anders als Nebel oder Wolken, die den Himmel komplett verdecken, lässt Lichtverschmutzung die hellen Objekte unverändert und schluckt nur die schwachen.
Um den Zustand des Himmels an einem bestimmten Ort einheitlich zu beschreiben, hat der US-amerikanische Amateurastronom John E. Bortle 2001 im Magazin Sky & Telescope eine neunstufige Skala veröffentlicht. Sie reicht von Klasse 1, dem exzellenten Dunkelhimmel, bis Klasse 9, dem Himmel über einer Innenstadt.
| Bortle-Klasse | Himmelstyp | Was du siehst |
|---|---|---|
| 1 | Exzellenter Dunkelhimmel | Milchstraße wirft Schatten, Zodiakallicht gut sichtbar |
| 2 | Typischer Dunkelhimmel | Milchstraße reich strukturiert, zahlreiche Deep-Sky-Objekte |
| 3 | Ländlicher Himmel | Milchstraße gut sichtbar, leichte Lichtglocke am Horizont |
| 4 | Übergang Land/Vorstadt | Milchstraße nur noch im Zenit deutlich erkennbar |
| 5 | Vorstadthimmel | Milchstraße nur schwach und bei genauem Hinsehen sichtbar |
| 6 | Heller Vorstadthimmel | Milchstraße für das bloße Auge praktisch unsichtbar |
| 7 | Übergang Vorstadt/Stadt | Himmel insgesamt grau-weiß, nur helle Objekte deutlich |
| 8 | Stadthimmel | Nur Mond, Planeten und die hellsten Sterne fallen auf |
| 9 | Innenstadt | Vergleichbar mit später Dämmerung, kaum Sterne sichtbar |
Die eigene Klasse findest du am einfachsten über eine Lichtverschmutzungskarte wie lightpollutionmap.info. Ohne Karte funktioniert auch ein einfacher Test: Zähl bei klarem Himmel, wie viele Sterne du im Sternbild Orion oder im Großen Wagen mit bloßem Auge erkennst, und vergleiche das Ergebnis mit einer Sternkarte für die jeweilige Bortle-Klasse.
Warum modernes LED-Licht das Problem verschärft
Viele Städte haben ihre Straßenbeleuchtung in den letzten Jahren auf LED umgestellt, meist mit einer kühlen, blaustichigen Farbtemperatur. Blaues Licht mit kurzer Wellenlänge wird in der Atmosphäre stärker gestreut als warmes, gelbliches Licht (das gleiche physikalische Prinzip, das den Taghimmel blau statt weiß erscheinen lässt). Dadurch tragen moderne LED-Straßenlaternen pro Lumen stärker zur Aufhellung des Nachthimmels bei als die älteren Natriumdampflampen, die sie ersetzen, selbst wenn die Kommune insgesamt weniger Energie verbraucht. Für dich als Beobachter bedeutet das: Der Himmel über einer frisch auf LED umgerüsteten Stadt kann heller wirken als vorher, auch wenn offiziell weniger Watt verbaut sind.
Kann man mit einem Teleskop in der Stadt überhaupt sinnvoll beobachten?
Ja, mit klaren Einschränkungen. Mond, Planeten, der Doppelstern Albireo und offene Sternhaufen wie die Plejaden bleiben bei fast jeder Lichtverschmutzung gut sichtbar, weil sie selbst hell genug sind, um sich vom aufgehellten Hintergrund abzuheben. Lichtschwache Galaxien, die meisten Emissionsnebel und schwache Kugelsternhaufen gehen dagegen im aufgehellten Himmel unter, unabhängig davon, wie teuer oder groß dein Teleskop ist.
Wie stark ist die Lichtverschmutzung wirklich?
Nach einer 2016 im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Studie von Fabio Falchi und Kollegen mit dem Titel "The New World Atlas of Artificial Night Sky Brightness" lebt mehr als 99 Prozent der Bevölkerung in Europa und den USA unter einem Himmel, der durch künstliches Licht sichtbar beeinflusst ist. Weltweit betrifft das nach derselben Studie rund 80 Prozent der Menschen. Das erklärt, warum die eigene Terrasse in der Stadt fast nie Bortle 1 oder 2 erreicht, selbst wenn es dort an einem wolkenlosen Abend subjektiv schon recht dunkel wirkt.
Grenzgröße: wie viele Sterne siehst du mit bloßem Auge wirklich noch?
Astronomen messen die Dunkelheit eines Himmels nicht nur über die Bortle-Skala, sondern auch über die sogenannte Grenzgröße (limiting magnitude): die Helligkeit des schwächsten Sterns, den ein Mensch mit bloßem Auge noch erkennen kann. Unter einem exzellenten Dunkelhimmel (Bortle 1 bis 2) liegt diese Grenze bei etwa 6,5 bis 7 mag, in einer typischen Vorstadt (Bortle 5 bis 6) fällt sie auf etwa 5 mag, und mitten in einer Großstadt (Bortle 8 bis 9) sind oft nur noch Sterne heller als 3 bis 4 mag sichtbar. Jede volle Magnitude weniger bedeutet grob das 2,5-fache weniger sichtbare Sterne, weshalb der Unterschied zwischen Land und Stadt am bloßen Auge so drastisch ausfällt, noch bevor überhaupt ein Teleskop zum Einsatz kommt. Für dein Teleskop ist das relevant, weil Objekte, deren Flächenhelligkeit (nicht nur ihre Gesamthelligkeit) unter diese lokale Grenze fällt, am Okular ebenfalls kaum noch Kontrast zum Hintergrund zeigen, selbst wenn sie auf dem Papier "hell genug" erscheinen.
Der Mond: die zweite, ganz natürliche Lichtverschmutzung
Künstliches Licht ist nicht die einzige Lichtquelle, die den Himmelshintergrund aufhellt. Ein Vollmond hellt den Nachthimmel so stark auf, dass er selbst an einem Bortle-1-Standort auf dem Land die Sichtbarkeit von Galaxien und Nebeln fast genauso stark einschränkt wie ein Stadthimmel ohne Mond. Wer Deep-Sky-Objekte beobachten will, sollte deshalb unabhängig vom eigenen Standort immer auch die Mondphase einplanen und, wenn möglich, Nächte um Neumond herum wählen oder Nächte, in denen der Mond erst spät aufgeht oder früh untergeht. Für Mond- und Planetenbeobachtung spielt die Mondphase dagegen keine Rolle, ebenso wenig wie die Lichtverschmutzung selbst.
Öffnung schlägt Standort, aber nur bis zu einem Punkt
Ein größeres Teleskop sammelt mehr Licht und zeigt dadurch mehr Kontrast. Trotzdem kann ein kleines Teleskop unter einem wirklich dunklen Himmel bei Deep-Sky-Objekten ein großes Teleskop in der Stadt übertreffen, weil nicht die Objekthelligkeit allein zählt, sondern der Kontrast zwischen Objekt und Himmelshintergrund, und genau dieser Hintergrund wird in der Stadt zu hell. Bei Mond und Planeten gilt das nicht in gleicher Form: Dort gewinnt fast immer die größere Öffnung, Lichtverschmutzung hin oder her, weil diese Objekte selbst hell genug sind, dass der Hintergrund kaum eine Rolle spielt.
| Dein Standort | Was zuerst zählt | Sinnvolle Wahl |
|---|---|---|
| Bortle 7 bis 9 (Stadt) | Objektauswahl, Filter oder Stacking | Smart-Teleskop oder kompakter Dobson, Fokus auf Mond und Planeten |
| Bortle 5 bis 6 (Vorstadt) | Öffnung plus ein guter UHC-Filter | 150 bis 200 mm Dobson oder Smart-Teleskop für einfachere Deep-Sky-Ziele |
| Bortle 1 bis 4 (Land) | Öffnung zählt wieder fast uneingeschränkt | Größerer Dobson oder GoTo-Teleskop, ein Filter ist kaum noch nötig |
Alle Modelle nach Preis geordnet findest du unter Teleskope unter 300 Euro und Teleskope unter 700 Euro.
Lichtsammelvermögen im Vergleich: was die fünf Geräte unten wirklich einfangen
Wie viel mehr Licht ein Teleskop gegenüber dem dunkeladaptierten menschlichen Auge sammelt, lässt sich direkt aus der Öffnung berechnen (Öffnung in mm geteilt durch 7 mm Pupillendurchmesser, zum Quadrat). Nach dieser Formel, die auch unserer Bewertungsmethode auf So bewerten wir zugrunde liegt, ergeben sich für die fünf unten verlinkten Geräte folgende Werte:
| Gerät | Öffnung | Lichtsammelvermögen vs. Auge |
|---|---|---|
| Dwarflab Dwarf 3 | 35 mm | rund 25-fach |
| ZWO Seestar S50 Pro | 50 mm | rund 51-fach |
| Vaonis Vespera II | 50 mm | rund 51-fach |
| Sky-Watcher Skyliner 200P | 200 mm | rund 816-fach |
| Bresser Messier 8" Dobson | 203 mm | rund 842-fach |
Der Unterschied ist enorm: Ein 200-mm-Dobson sammelt gut 16-mal so viel Licht wie ein 50-mm-Smart-Teleskop. Trotzdem schlägt das Smart-Teleskop den Dobson in der Stadt bei Deep-Sky-Zielen oft trotzdem, weil die Bildstapelung den aufgehellten Hintergrund softwareseitig herausrechnet, während der Dobson den hellen Hintergrund direkt ins Okular liefert.
Smart-Teleskope: die pragmatische Lösung für die Stadt
Ein Smart-Teleskop wie das ZWO Seestar S50 Pro, das Dwarflab Dwarf 3 oder das Vaonis Vespera II löst das Lichtverschmutzungsproblem nicht durch mehr Öffnung, sondern durch Bildstapelung: Die eingebaute Kamera nimmt viele kurze Belichtungen auf, die App rechnet sie zu einem helleren, kontrastreicheren Bild zusammen und filtert dabei einen Teil des gleichmäßigen Himmelshintergrunds heraus. So werden selbst von einem Stadtbalkon aus Nebel und Galaxien sichtbar, die am Okular eines klassischen Teleskops unter demselben Himmel unsichtbar blieben.
Die drei Geräte unterscheiden sich vor allem in Öffnung und Gewicht: Das Dwarf 3 ist mit 1,35 kg das leichteste und günstigste der drei, das Seestar S50 Pro und das Vespera II haben mit 50 mm etwas mehr Öffnung und damit etwas mehr Lichtsammelvermögen, das Vespera II bringt dafür mit 5 kg auch das meiste Gewicht auf die Waage. Der Nachteil aller drei: Du schaust auf einen Bildschirm statt durch ein Okular, und bei Planeten liefern die kleinen Öffnungen deutlich weniger Detail als ein Dobson mit 200 mm. Mehr zur Technik und den Unterschieden zwischen den Modellen liest du im Smart-Teleskop Ratgeber und im direkten Vergleich Seestar S50 vs. Dwarf 3.
Dobson, Filter und die klassische Lösung am Okular
Wer lieber direkt am Okular beobachtet statt auf einen Bildschirm zu schauen, kombiniert in der Stadt am besten ein Teleskop mit möglichst großer Öffnung und einen Lichtverschmutzungsfilter. Zwei Filtertypen sind dafür üblich:
- UHC-Filter (Ultra High Contrast): Lässt einen breiteren Bereich des Lichtspektrums durch und verstärkt dadurch den Kontrast von Emissionsnebeln gegenüber dem Himmelshintergrund. Für Galaxien bringt er wenig, weil deren Licht über ein breites, kontinuierliches Spektrum verteilt ist.
- OIII-Filter: Lässt fast nur noch das Licht ionisierten Sauerstoffs durch, das viele planetarische Nebel und manche Emissionsnebel stark abstrahlen. Dadurch wird der Himmelshintergrund fast schwarz, allerdings werden dabei auch die meisten Sterne deutlich schwächer.
Beide Filtertypen machen den Hintergrund dunkler, sie fügen dem Bild kein zusätzliches Licht hinzu. Bei Galaxien, die über ein breites Spektrum leuchten, bringt deshalb keiner der beiden Filter einen großen Vorteil, egal wie teuer er ist. Welcher Dobson zum Einstieg passt, erklärt der Ratgeber Dobson oder Refraktor, die passende Montierung dazu Teleskop-Montierung: welche Arten es gibt.
Helfen Lichtverschmutzungsfilter wirklich?
Teilweise. Ein UHC- oder OIII-Filter macht den Himmelshintergrund dunkler und steigert dadurch den Kontrast von Emissionsnebeln wie dem Orionnebel deutlich spürbar. Bei Galaxien, Sternhaufen und den meisten Reflexionsnebeln bringt ein Filter dagegen kaum etwas, weil ihr Licht nicht in den schmalen Wellenlängenbereichen liegt, auf die diese Filter abgestimmt sind.
Dual-Band-Filter für die Astrofotografie
Für Astrofotografie mit einer eigenen Kamera statt am Okular gibt es inzwischen Dual-Band- oder Schmalbandfilter, die gleichzeitig die Wellenlängen von Wasserstoff-Alpha und ionisiertem Sauerstoff durchlassen und fast den gesamten Rest des Spektrums blockieren. Damit lassen sich Emissionsnebel selbst unter deutlicher Lichtverschmutzung fotografieren, weil das Kamerasensor-Signal fast ausschließlich vom Nebel selbst stammt und der aufgehellte Hintergrund weitgehend herausgefiltert wird. Für Galaxien oder Sternhaufen, die kein schmalbandiges Licht abstrahlen, funktioniert dieser Trick allerdings nicht.
Wohin fahren für einen wirklich dunklen Himmel?
Schon eine Fahrt von 30 bis 60 Kilometern aus einer Großstadt heraus kann den Himmel um ein bis zwei Bortle-Klassen verbessern, weil die Lichtglocke einer Stadt mit zunehmender Entfernung schnell schwächer wird. In Deutschland gehören unter anderem der Sternenpark Rhön und der Naturpark Westhavelland zu den offiziell anerkannten Dark-Sky-Gebieten mit besonders dunklem Himmel. Eine aktuelle Karte für die eigene Umgebung findest du auf lightpollutionmap.info, Wetter-Apps wie Clear Outside helfen zusätzlich bei der Planung der Nacht selbst, etwa für Wolken, Mondphase und Jetstream.
Apps und Werkzeuge, die die Standortsuche erleichtern
Drei kostenlose Werkzeuge reichen für die meisten Planungsfragen aus:
- lightpollutionmap.info: Zeigt die Himmelshelligkeit weltweit als Karte an, meist auf Basis von Satellitendaten, und lässt sich damit grob auf eine Bortle-Klasse übertragen. Praktisch, um gezielt den nächstgelegenen dunkleren Fleck außerhalb der eigenen Stadt zu finden.
- Clear Outside: Eine kostenlose Wetter-App speziell für Astronomie, die neben Wolkenbedeckung auch Sichtweite, Luftfeuchtigkeit und Mondaufgang beziehungsweise Monduntergang für die eigene Nacht anzeigt. Besonders hilfreich, um eine Deep-Sky-Nacht gezielt um den mondlosen Zeitraum herum zu legen.
- Stellarium (App oder Desktop): Zeigt, welche Objekte zu welcher Uhrzeit über dem eigenen Standort stehen, inklusive ihrer jeweiligen Helligkeit. So lässt sich vorab abschätzen, ob ein bestimmtes Deep-Sky-Ziel unter der eigenen Lichtverschmutzung überhaupt eine realistische Chance hat.
So beobachtest du in der Stadt am meisten heraus
Ein paar einfache Gewohnheiten holen aus jedem Teleskop unter Lichtverschmutzung spürbar mehr heraus, ganz ohne zusätzliches Geld:
- Augen anpassen lassen: Nach etwa 15 bis 20 Minuten im Dunkeln sieht das Auge deutlich mehr schwache Details. Schon ein kurzer Blick aufs helle Handydisplay setzt diese Anpassung wieder zurück, weshalb Astronomie-Apps meist einen Rotlicht-Modus anbieten.
- Höher am Himmel beobachten: Objekte nahe am Horizont liegen automatisch in der dicksten, am stärksten aufgehellten Luftschicht. Objekte im Zenit oder nahe am Zenit zeigen fast immer den besten Kontrast.
- Vom Stadtlicht wegdrehen: Wer sich so positioniert, dass eine Hauswand oder ein Baum die nächstgelegene Straßenlaterne blockiert, gewinnt sofort Kontrast, ganz ohne Filter oder Software.
- Indirektes Sehen nutzen: Schwache Objekte knapp neben der Blickmitte statt direkt anzuschauen, aktiviert empfindlichere Bereiche der Netzhaut und macht lichtschwache Nebel oder Galaxienarme am Okular oft erst sichtbar.
Die fünf Geräte im Einzelüberblick
- Dwarflab Dwarf 3 (35 mm, ab rund 529 Euro): Das leichteste und günstigste Smart-Teleskop im Vergleich, mit nur 1,35 kg schnell aufgebaut und auch für spontane Beobachtungsabende vom Balkon geeignet. Die 35 mm Öffnung reichen für helle Nebel und die Planeten, bei schwächeren Galaxien stößt das Gerät schneller an seine Grenzen als die beiden größeren Smart-Teleskope.
- ZWO Seestar S50 Pro (50 mm, ab rund 999 Euro): Mit mehr Öffnung als das Dwarf 3 und rund 9 Stunden Akkulaufzeit für ganze Beobachtungsnächte ausgelegt. Die größere Öffnung bringt gegenüber dem Dwarf 3 spürbar mehr Lichtsammelvermögen und damit etwas mehr Reserve gegen einen aufgehellten Stadthimmel.
- Vaonis Vespera II (50 mm, ab rund 1.590 Euro): Teilt sich die Öffnung mit dem Seestar S50 Pro, ist mit 5 kg aber deutlich schwerer und bei diesem Preis eher etwas für Nutzer, die bereits wissen, dass sie dauerhaft mit Smart-Teleskopen beobachten wollen, statt zunächst ein günstigeres Modell auszuprobieren.
- Sky-Watcher Skyliner 200P Classic (200 mm, ab rund 479 Euro): Ein klassischer Dobson mit 200 mm Öffnung und damit über 16-mal so viel Lichtsammelvermögen wie die Smart-Teleskope oben. Kommt inklusive zwei Okularen und zeigt Planeten und den Mond direkt am Okular in deutlich mehr Detail, für Deep-Sky unter Lichtverschmutzung braucht es dafür einen zusätzlichen UHC-Filter.
- Bresser Messier 8" Dobson 203/1200 (203 mm, ab rund 499 Euro): Minimal mehr Öffnung als der Skyliner 200P, dafür mit 21 kg etwas leichter, und bringt zusätzlich ein 25-mm-Superplössl-Okular sowie einen Sonnenfilter mit. Eine solide, preislich vergleichbare Alternative zum Skyliner mit nahezu identischem Lichtsammelvermögen.
Welches Teleskop passt zu deiner Lichtverschmutzung?
- Unter 150 Euro, Stadtbalkon: Kleine Einsteiger-Refraktoren zeigen Mond und die hellen Planeten gut, für Deep-Sky unter Lichtverschmutzung reicht die Öffnung kaum aus.
- 150 bis 350 Euro, Stadt oder Vorstadt: Ein kompaktes Smart-Teleskop wie das Dwarf 3 stapelt Belichtungen gegen den aufgehellten Himmel, ein Tisch-Dobson mit 130 mm zeigt dafür schärfere Planeten am Okular.
- 350 bis 700 Euro, Vorstadt: Ein 150- bis 200-mm-Dobson mit zusätzlichem UHC-Filter oder ein größeres Smart-Teleskop wie das Seestar S50 Pro holt unter Bortle 5 bis 6 noch brauchbare Deep-Sky-Ansichten heraus.
- Über 700 Euro, jeder Standort: Große Smart-Teleskope wie das Vespera II oder GoTo-Dobsons mit viel Öffnung lohnen sich vor allem, wenn du gelegentlich gezielt an einen dunkleren Ort fährst.
Einen Überblick über alle Preisklassen und Typen gibt der Teleskop-Finder, Einsteiger-Grundlagen erklärt der Ratgeber Teleskop für Einsteiger.
Häufige Fragen
Was ist die Bortle-Skala und wie benutze ich sie?
Die Bortle-Skala ordnet den Nachthimmel in neun Klassen ein, von Klasse 1 (komplett dunkler Himmel) bis Klasse 9 (Innenstadt). Du bestimmst deine Klasse über eine Lichtverschmutzungskarte oder indem du zählst, wie viele Sterne du im Großen Wagen oder Orion mit bloßem Auge siehst, und das Ergebnis mit einer Referenztabelle vergleichst.
Lohnt sich ein teureres Teleskop trotz Lichtverschmutzung?
Bei Mond und Planeten ja, weil mehr Öffnung dort fast immer mehr Detail zeigt, unabhängig vom Standort. Bei Deep-Sky-Objekten lohnt sich das zusätzliche Geld in der Stadt oft mehr für einen Filter oder ein Smart-Teleskop mit Bildstapelung als für reine zusätzliche Öffnung.
Sieht man die Milchstraße noch aus der Stadt?
Kaum bis gar nicht. Ab etwa Bortle 6 verschwindet die Milchstraße für das bloße Auge fast vollständig, und selbst ein großes Teleskop ändert daran wenig, weil das eigentliche Problem der zu helle Himmelshintergrund ist, nicht eine zu kleine Teleskopöffnung.
Was bringt ein UHC-Filter konkret?
Ein UHC-Filter dunkelt den Himmelshintergrund ab und erhöht dadurch den Kontrast von Emissionsnebeln wie dem Orionnebel merklich. Bei Galaxien oder offenen Sternhaufen bringt er dagegen kaum einen sichtbaren Unterschied, weil deren Licht nicht in den passenden Wellenlängen liegt.
Sind Smart-Teleskope besser gegen Lichtverschmutzung als klassische Teleskope?
Für Deep-Sky-Beobachtung und Astrofotografie in der Stadt meist ja, weil die Bildstapelung den Himmelshintergrund softwareseitig herausrechnet. Für die rein visuelle Beobachtung von Planeten am Okular bleibt ein klassisches Teleskop mit größerer Öffnung weiterhin im Vorteil.
Wie weit muss ich für einen dunklen Himmel fahren?
Oft reichen schon 30 bis 60 Kilometer Abstand zur nächsten Großstadt für eine deutlich sichtbare Verbesserung von ein bis zwei Bortle-Klassen. Für einen wirklich dunklen Himmel lohnt sich eine gezielte Fahrt zu einem ausgewiesenen Sternenpark wie der Rhön oder dem Westhavelland.
Macht moderne LED-Straßenbeleuchtung die Lichtverschmutzung schlimmer?
Oft ja. Kühles, blaustichiges LED-Licht wird in der Atmosphäre stärker gestreut als wärmeres Licht älterer Natriumdampflampen, wodurch der Himmel über frisch umgerüsteten Straßenzügen pro Lumen stärker aufgehellt werden kann als vorher, selbst bei geringerem Energieverbrauch.
Kann ich mit Lichtverschmutzung trotzdem Astrofotografie machen?
Ja, besonders mit einem Smart-Teleskop oder einer Kamera mit Stacking-Software und gegebenenfalls einem Dual-Band-Filter, die über viele kurze Belichtungen den aufgehellten Hintergrund glätten beziehungsweise herausfiltern. Mehr dazu im Ratgeber Teleskop für Astrofotografie-Einsteiger.
Was ist die Grenzgröße und warum ist sie wichtig?
Die Grenzgröße gibt an, wie schwach ein Stern sein darf, um mit bloßem Auge noch erkennbar zu sein. Je stärker die Lichtverschmutzung, desto höher (also schlechter) ist dieser Wert, weil der aufgehellte Hintergrund schwache Sterne regelrecht überstrahlt, bevor überhaupt ein Teleskop ins Spiel kommt.
Macht ein Vollmond die Lichtverschmutzung noch schlimmer?
Ja, deutlich. Ein Vollmond hellt den Himmel so stark auf, dass er für Deep-Sky-Beobachtung selbst an einem dunklen Landstandort ähnlich störend wirken kann wie künstliches Licht in der Stadt. Für Mond- und Planetenbeobachtung spielt die Mondphase dagegen keine Rolle.
Egal wie stark die Lichtverschmutzung an deinem Standort ist: Die realistische Erwartung hilft am meisten. Für Mond und Planeten zählt vor allem die Öffnung, für Deep-Sky-Objekte in der Stadt sind ein guter Filter oder ein Smart-Teleskop mit Bildstapelung der praktischere Weg als noch mehr Zoll Spiegeldurchmesser.




